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Ratgeber

ESD und antistatisch erklärt

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Wer in der Elektronikfertigung, im Labor oder in der Instandhaltung arbeitet, stößt schnell auf zwei Begriffe: antistatisch und ESD. Beide haben mit elektrischer Ableitung zu tun, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Dieser Beitrag erklärt, was die Kennzeichnungen bedeuten, welche Widerstandswerte dahinterstehen, warum ESD-Schuhe nur im passenden Umfeld funktionieren und worauf Sie bei Socken, Einlagen und Pflege achten sollten.

Zwei Zeichen, zwei Zwecke

Antistatische Schuhe sollen verhindern, dass sich der Mensch beim Gehen stark elektrostatisch auflädt. Das ist zum Beispiel dort wichtig, wo Funken eine Gefahr darstellen können. Die Kennzeichnung A ist Bestandteil der EN ISO 20345 und ab der Klasse S1 automatisch enthalten.

ESD steht für Electrostatic Discharge, also elektrostatische Entladung. Hier geht es vor allem um den Schutz empfindlicher Bauteile. Schon kleine Entladungen, die ein Mensch nicht spürt, können Halbleiter beschädigen. Deshalb gelten in sogenannten EPA-Bereichen (ESD Protected Area) strengere Anforderungen nach der Normenreihe EN 61340.

Warum der Widerstand nicht beliebig niedrig sein darf

Ein Schuh, der Ladung sehr gut ableitet, ist nicht automatisch besser. Die Untergrenze bei antistatischen Schuhen soll einen gewissen Restschutz bieten, falls der Träger mit spannungsführenden Teilen in Kontakt kommt. ESD-Schuhe bewegen sich in einem eigenen, genau definierten Bereich.

Für Arbeiten an elektrischen Anlagen gibt es zudem elektrisch isolierende Schuhe nach eigener Norm. Weder antistatische noch ESD-Schuhe sind dafür gedacht. Welche Variante Sie brauchen, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung Ihres Betriebs.

Hinweis:ESD- und antistatische Schuhe schützen nicht vor elektrischem Schlag. Für Arbeiten unter Spannung gelten eigene Regeln und eigene Schutzausrüstung. Klären Sie die Anforderungen mit Ihrem Arbeitgeber oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Der Schuh allein reicht nicht

ESD funktioniert nur als System. Die Ladung muss vom Körper über Socken, Einlegesohle und Laufsohle in einen ableitfähigen Boden gelangen. Steht ein ESD-Schuh auf einem isolierenden Teppich oder einer Gummimatte, kann er seine Aufgabe nicht erfüllen.

Viele Betriebe prüfen deshalb am Eingang zum EPA-Bereich mit einem Messgerät, ob die Kombination aus Person und Schuh im vorgegebenen Bereich liegt. Fällt die Messung durch, sind oft Schmutz unter der Sohle, eine nicht zugelassene Einlage oder sehr trockene Füße die Ursache.

  • Nur die vom Hersteller freigegebenen Einlegesohlen verwenden
  • Sohle sauber halten, Lack, Kleber und Wachs vermeiden
  • Socken aus Materialien wählen, die die Ableitung nicht behindern
  • Messung am Eingang ernst nehmen und Auffälligkeiten melden

ESD-Schuhe in der Praxis auswählen

Auf dem Etikett finden Sie das ESD-Zeichen meist zusätzlich zur S-Klasse, etwa S3 ESD oder S1P ESD. Achten Sie darauf, dass der Hersteller die Prüfung nach EN 61340 ausdrücklich nennt. Ein Schuh, der nur A trägt, ist für EPA-Bereiche nicht ausreichend.

Neben der Ableitung zählen die üblichen Kriterien: Klasse nach Arbeitsumgebung, Rutschhemmung, Passform und Gewicht. In Fertigungshallen werden häufig leichte Halbschuhe oder Sneaker getragen. Eine Auswahl finden Sie im Ratgeber ESD-Sicherheitsschuhe S3, sportlichere Modelle unter Sicherheitssneaker S1P und S3.

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Pflege und Kontrolle

Die Ableitfähigkeit kann sich mit der Zeit verändern. Verschmutzung, abgelaufene Sohlen und Pflegemittel mit isolierenden Bestandteilen beeinflussen den Widerstand. Reinigen Sie die Sohle regelmäßig mit Wasser und milder Seife und verzichten Sie auf Silikonsprays an der Lauffläche. Hinweise zur Reinigung gibt der Beitrag Sicherheitsschuhe reinigen und pflegen.

Die Herstellerinformation nennt oft, wie und wie häufig der Widerstand überprüft werden sollte. In vielen Betrieben ist die tägliche Messung am Eingang üblich. Welche Prüfintervalle gelten, legt der Arbeitgeber fest.

Typische Fehler im Alltag

Viele Probleme mit ESD-Schuhen entstehen nicht durch den Schuh selbst, sondern durch kleine Gewohnheiten. Eine dicke Wollsocke, eine Gel-Einlage aus dem Drogeriemarkt oder ein Sohlenspray gegen Rutschen können die Ableitung so stark verschlechtern, dass die Eingangsmessung nicht mehr besteht. Auch Schuhe, die längere Zeit draußen getragen wurden, nehmen Schmutz und Fett auf, das die Kontaktfläche zum Boden isoliert.

Wer zwischen EPA-Bereich und Außengelände wechselt, sollte nach Möglichkeit getrennte Schuhe nutzen oder die Sohlen vor dem Betreten reinigen. Manche Betriebe stellen dafür Reinigungsmatten bereit. Ebenso wichtig: Ein ESD-Schuh ersetzt nicht das Erdungsarmband, wenn dieses am Arbeitsplatz vorgeschrieben ist. Beides gehört zum Schutzkonzept, das der Betrieb festlegt.

  • Fremde Einlegesohlen oder Fersenkissen
  • Isolierende Sprays oder Wachse auf der Laufsohle
  • Verschmutzte oder stark abgelaufene Sohlen
  • Sehr dicke Socken aus synthetischem Material

Häufige Fragen

Ist jeder ESD-Schuh auch antistatisch? In der Regel liegen ESD-Schuhe auch im Bereich für A, und viele tragen beide Angaben. Prüfen Sie im Zweifel das Etikett und die Herstellerinformation.

Kann ich eigene Einlagen in ESD-Schuhen tragen? Nur wenn der Hersteller sie für diesen Schuh freigegeben hat. Eine nicht leitfähige Einlage kann die Ableitung unterbrechen.

Brauche ich ESD-Schuhe im Lager? Meist nicht, dort reicht häufig A. ESD wird vor allem in EPA-Bereichen verlangt. Die Entscheidung trifft der Arbeitgeber, siehe auch Welche Sicherheitsschuhe für welchen Beruf.

Woher weiß ich, welche Klasse zu meinem ESD-Schuh passt? Die S-Klasse richtet sich nach Nässe, Durchtrittgefahr und Untergrund. Der S-Klassen-Decoder listet die Anforderungen je Klasse.

Was Sie dafür brauchen