Ratgeber
Sicherheitsschuhe für Zimmerer und Dachdecker
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Kurz gesagt
Zimmerer und Dachdecker arbeiten meist in S3, weil auf Baustellen Nägel, Splitter und Nässe vorkommen. Wichtig sind darüber hinaus eine flexible Sohle mit gutem Gefühl für Sparren und Latten, ein nichtmetallischer Durchtrittschutz nach PL oder PS, eine rutschhemmende Laufsohle und bei Arbeiten mit heißem Bitumen eine HRO-Sohle. Tischler in der Werkstatt kommen oft mit leichteren S1P- oder S3-Halbschuhen aus.
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Auf dem Dach und im Holzbau stellt der Fuß andere Anforderungen als im Lager. Man steigt auf Leitern und Gerüste, balanciert auf Sparren, kniet auf Lattung und arbeitet bei Wind und Wetter. Diese Seite erklärt, welche Schutzklasse in diesen Gewerken üblich ist, welche Eigenschaften der Schuh darüber hinaus mitbringen sollte und worin sich die Anforderungen von Zimmerern, Dachdeckern und Tischlern unterscheiden. Die verbindliche Vorgabe macht der Betrieb.
Übliche Schutzklasse
Auf Baustellen ist S3 die übliche Klasse. Sie verbindet Zehenschutzkappe, Durchtrittschutz, wasserabweisendes Obermaterial und Profilsohle. Gerade im Holzbau liegen Nägel, Schrauben und Splitter auf dem Boden, und auf Dachbaustellen ist man der Witterung ausgesetzt.
Welche Klasse an Ihrem Arbeitsplatz gilt, legt der Betrieb nach der Gefährdungsbeurteilung fest. Eine Übersicht über die Klassen bietet der Artikel Sicherheitsklassen in der Übersicht, die Baustelle im Allgemeinen behandelt Welche Sicherheitsschuhe für welchen Beruf.
Flexible Sohle und Gefühl am Fuß
Wer auf Sparren und Latten steht, will spüren, wo er hintritt. Eine sehr steife Sohle mit Stahleinlage gibt wenig Rückmeldung und erschwert das Abrollen auf schmalen Kanten. Viele Zimmerer und Dachdecker bevorzugen deshalb Schuhe mit flexibler Sohle und nichtmetallischem Durchtrittschutz.
Seit EN ISO 20345:2022 erkennen Sie nichtmetallischen Durchtrittschutz an den Kennzeichnungen S3L und S3S. Er ist meist biegsamer als eine Stahlplatte. Die Unterschiede erklärt der Vergleich S3 oder S3S und S3L, Details zum Prüfverfahren der Artikel Durchtrittschutz erklärt.
- 1Zehenschutzkappe: aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, 200 J
- 2Durchtrittschutz: Einlage aus Stahl oder Textil
- 3Brandsohle: trägt Fußbett und Einlage
- 4Dämpfung Ferse: Energieaufnahme im Fersenbereich (E)
- 5Profilsohle: bei S3 Pflicht
- 6Obermaterial: bei S2 und S3 wasserabweisend (WPA)
Halt auf Dach, Leiter und Gerüst
Ein Absatz hilft auf Leitern, weil die Sprosse nicht unter den Fuß rutscht. Auf Dachflächen dagegen ist eine durchgehende Profilsohle mit viel Kontaktfläche angenehmer. Viele Dachdecker wählen deshalb Modelle mit flachem, griffigem Profil. Mehr zur Rutschhemmung erklärt der Artikel Rutschhemmung SR erklärt.
- rutschhemmende Laufsohle mit Kennzeichnung SR
- Profil, das sich nicht mit Sägemehl und Dreck zusetzt
- ausgeprägter Absatz für Leitersprossen
- weiche Gummimischung für Halt auf Ziegeln und Blech
- fester Fersensitz, damit der Fuß im Schuh nicht rutscht
Hinweis:Fußschutz ersetzt keine Absturzsicherung. Auf Dächern und Gerüsten gelten eigene Vorschriften für Seitenschutz, Auffangeinrichtungen und persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz.
Bitumen und heiße Arbeiten
Beim Verlegen von Bitumenbahnen mit dem Brenner und beim Arbeiten mit heißem Bitumen kann die Sohle mit heißen Flächen in Kontakt kommen. Hier ist eine Laufsohle mit der Kennzeichnung HRO sinnvoll, die kurzzeitigen Kontakt mit 300 Grad heißen Flächen aushält. Gummisohlen erreichen das häufig, reine PU-Sohlen nicht.
Glattleder ist bei Funken und heißen Spritzern robuster als Textil. Wer viel mit dem Brenner arbeitet, achtet deshalb auch auf das Obermaterial. Mehr zu Sohlenmaterialien steht im Artikel Laufsohlen von Sicherheitsschuhen.
Halbschuh oder Stiefel
Viele Zimmerer tragen knöchelhohe Stiefel, weil sie auf unebenem Grund und beim Tragen schwerer Balken mehr Halt geben. Dachdecker bevorzugen oft leichtere, flexible Modelle, teils als Halbschuh, um auf dem Dach beweglich zu bleiben. Beide Varianten sind in S3 erhältlich.
Die Vor- und Nachteile beider Schafthöhen vergleicht der Artikel Halbschuh oder Sicherheitsstiefel. Robuste Stiefel finden Sie im Ratgeber die besten S3-Sicherheitsstiefel, leichte und flexible Modelle im Ratgeber leichte S3-Sicherheitsschuhe.
Tischler und Schreiner in der Werkstatt
In der Werkstatt ist der Boden meist trocken und eben, aber Späne, Splitter und herabfallende Werkstücke sind häufig. Viele Betriebe verlangen dort S1P oder S3. Leichte Halbschuhe oder Sneaker sind beliebt, weil man viel steht und geht.
Für Montagen beim Kunden, etwa beim Einbau von Fenstern, Türen und Treppen, wird oft S3 verlangt, weil man auf Baustellen unterwegs ist. Wer zwischen Werkstatt und Baustelle wechselt, fährt mit einem leichten S3-Halbschuh gut. Eine Auswahl zeigt der Ratgeber S1P-Sicherheitssneaker.
Knien und Abrieb
Auf Dach und Boden wird viel gekniet. Dabei reibt die Schuhspitze über Lattung, Ziegel und Beton. Eine Überkappe aus Gummi oder PU an der Spitze schützt das Obermaterial und verlängert die Lebensdauer des Schuhs. Achten Sie bei der Auswahl darauf, besonders bei Textilmodellen. Knieschutz ist dabei ein eigenes Thema, das ebenfalls in der DGUV Regel 112-191 behandelt wird, siehe DGUV Regel 112-191 erklärt.
Wetter und Jahreszeiten
Zimmerer und Dachdecker arbeiten das ganze Jahr draußen. Im Sommer heizen sich Dachflächen stark auf, im Winter sind Lattung und Ziegel kalt und feucht. Viele Handwerker nutzen deshalb zwei Paar Schuhe: ein leichtes, luftiges Modell für die warme Jahreszeit und einen Stiefel mit Membran und Kälteisolierung CI für Herbst und Winter. Das verlängert zugleich die Lebensdauer beider Paare.
Für den Winter eignen sich gefütterte Modelle aus dem Ratgeber S3-Sicherheitsstiefel für den Winter. Hinweise gegen kalte Füße gibt der Artikel kalte Füße in Sicherheitsschuhen.
Häufige Fragen
Welche Klasse brauchen Zimmerer? Auf Baustellen ist S3 üblich. Die verbindliche Vorgabe macht der Betrieb.
Ist eine Stahlkappe auf dem Dach ein Nachteil? Stahlkappen sind etwas schwerer und leiten Kälte. Für das Gefühl am Fuß ist eher der Durchtrittschutz entscheidend.
Brauchen Dachdecker HRO? Bei Arbeiten mit Brenner und heißem Bitumen ist eine HRO-Sohle sinnvoll.
Welche Sohle hält auf Ziegeln am besten? Weiche Gummimischungen mit flachem Profil und viel Kontaktfläche bieten meist guten Halt. Auf nassen Ziegeln ist trotzdem Vorsicht geboten.
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