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Ratgeber

Zehenschutzkappe und 200 Joule erklärt

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Auf fast jedem Sicherheitsschuh steht irgendwo der Hinweis auf eine Zehenschutzkappe mit 200 Joule. Doch was genau wird da geprüft, und was sagt die Zahl im Arbeitsalltag aus? Dieser Beitrag erklärt die Prüfung nach EN ISO 20345, den Unterschied zu Schutz- und Berufsschuhen, die verschiedenen Kappenmaterialien und worauf Sie bei Passform und Pflege achten sollten. Er richtet sich an Beschäftigte, die ihren ersten Sicherheitsschuh aussuchen, und an alle, die die Kennzeichnung besser verstehen möchten.

Was die 200 Joule bedeuten

Joule ist die Einheit für Energie. Bei der Prüfung der Zehenschutzkappe fällt ein genormtes Fallgewicht aus einer bestimmten Höhe auf den Vorderschuh, sodass die Aufprallenergie 200 Joule beträgt. Das entspricht grob einem Gewicht von 20 Kilogramm, das aus etwa einem Meter Höhe herabfällt. Gemessen wird anschließend, wie viel Raum zwischen Kappe und Sohle übrig bleibt.

Die Norm verlangt nach dem Aufprall einen Mindestfreiraum, der je nach Schuhgröße festgelegt ist. Die Kappe darf sich also verformen, aber nicht so weit, dass dieser Restraum unterschritten wird. Zusätzlich wird die Kappe in einem zweiten Versuch langsam mit 15 Kilonewton zusammengedrückt, was einer statischen Last von rund 1,5 Tonnen entspricht. Auch hier gilt ein Mindestfreiraum.

Wichtig ist die Einordnung: Die Werte beschreiben eine Laborprüfung unter festgelegten Bedingungen. Sie sind kein Versprechen, dass der Fuß bei jedem realen Unfall unverletzt bleibt. Schwerere Lasten, spitze Gegenstände oder ein Aufprall an einer anderen Stelle des Schuhs werden von dieser Prüfung nicht abgedeckt.

Sicherheitsschuh, Schutzschuh, Berufsschuh

Im deutschsprachigen Raum werden die Begriffe oft vermischt. Die Normen trennen aber klar. Für die Auswahl im Betrieb ist deshalb die Normangabe auf dem Etikett entscheidend, nicht die Produktbezeichnung im Shop. Mehr zu dieser Abgrenzung lesen Sie im Beitrag Sicherheitsschuhe oder Arbeitsschuhe.

Stahl, Aluminium, Kunststoff oder Verbundstoff

Die Norm schreibt kein Material vor, nur die Prüfwerte. Deshalb finden Sie Kappen aus Stahl, Aluminium, Kunststoff und Faserverbund. Alle Varianten mit Kennzeichnung nach EN ISO 20345 haben dieselbe Prüfung bestanden. Unterschiede gibt es bei Gewicht, Wandstärke, Wärmeleitung und Verhalten im Metalldetektor.

Kunststoff- und Verbundkappen sind meist etwas dicker als Stahlkappen, damit sie die gleichen Werte erreichen. Das kann die Form des Vorderschuhs verändern. Stahl ist dünnwandig, leitet aber Kälte und Wärme besser. Wer an Sicherheitsschleusen arbeitet oder metallfreie Schuhe braucht, findet passende Modelle im Ratgeber Metallfreie Sicherheitsschuhe. Den direkten Vergleich der Materialien finden Sie unter Stahlkappe oder Kunststoffkappe.

  • Stahl: dünn, robust, leitet Temperatur, löst Metalldetektoren aus
  • Aluminium: leichter als Stahl, ebenfalls metallisch
  • Kunststoff und Verbund: nicht magnetisch, oft etwas voluminöser, isoliert besser gegen Kälte

Passform rund um die Kappe

Die Kappe ist starr. Anders als bei einem normalen Schuh gibt der Vorderschuh nicht nach. Wenn die Zehen an der Kappe anstoßen oder seitlich gegen die Kante drücken, ändert sich das auch nach Wochen nicht. Deshalb ist die richtige Länge und Weite bei Sicherheitsschuhen wichtiger als bei Freizeitschuhen.

Messen Sie die Fußlänge am Abend und rechnen Sie eine Zugabe für Bewegung ein. Unsere Größen- und Weitentabelle gibt Richtwerte, die Tabelle des Herstellers hat Vorrang. Wenn ein Schuh trotzdem an den Zehen drückt, hilft der Beitrag Sicherheitsschuhe drücken an den Zehen bei der Ursachensuche.

Hinweis:Schneiden, bohren oder schleifen Sie nie an der Kappe oder am Vorderschuh. Jede Veränderung kann die Schutzwirkung und die Konformität des Schuhs beeinträchtigen.

Nach einem Aufprall: Schuh ersetzen

Eine Kappe, die einmal einen kräftigen Schlag abbekommen hat, kann verformt oder vorgeschädigt sein, auch wenn man außen wenig sieht. Viele Hersteller empfehlen in ihrer Informationsbroschüre, den Schuh nach einer solchen Belastung auszutauschen. Das gilt auch, wenn das Obermaterial über der Kappe durchgescheuert ist und die Kappe freiliegt.

Welche Prüfpunkte es sonst gibt, zeigt der Beitrag Wann Sicherheitsschuhe ersetzt werden sollten. Was an Ihrem Arbeitsplatz verlangt ist, legt der Arbeitgeber auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung fest. Bei Fragen ist die Fachkraft für Arbeitssicherheit die richtige Ansprechperson.

S3-Sicherheitsschuhe im Überblick →

Häufige Fragen

Haben alle S-Klassen die gleiche Zehenschutzkappe? Ja. Von SB bis S7 verlangt EN ISO 20345 dieselbe Prüfung mit 200 Joule und 15 kN. Die Klassen unterscheiden sich bei anderen Eigenschaften wie Antistatik, Durchtrittschutz und Wasserdichtheit. Der S-Klassen-Decoder zeigt die Unterschiede.

Ist eine Stahlkappe sicherer als eine Kunststoffkappe? Beide müssen dieselben Prüfwerte erfüllen. Die Wahl hängt eher von Gewicht, Temperatur am Arbeitsplatz und Metalldetektoren ab.

Woran erkenne ich die 200-Joule-Kappe? An der Angabe EN ISO 20345 und einer S-Klasse auf dem Etikett, meist in der Lasche. Wie das Etikett aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Kennzeichnung lesen.

Reicht ein Schutzschuh mit 100 Joule? Das entscheidet die Gefährdungsbeurteilung Ihres Arbeitgebers. In vielen Betrieben in Deutschland werden Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 verlangt, sprechen Sie im Zweifel mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Was Sie dafür brauchen